Ab 1897

All diese Herrlichkeit nahm ein Ende, als im Jahre 1897 Landrat Berg von St. Goarshausen die Ruine erwarb, um sie zum Wohnsitz zu gestalten. Daß man bei diesem Wiederaufbau unter möglichster Benutzung der alten Dilich’schen Grundrisse den Burgencharakter zu wahren gesucht hat, tröstet über die neuzeitlichen Zutaten hinweg, die man der neuen Katz innen und außen anhing. Was würden zum Beispiel die alten panzerklirrenden Ritter zu der Glasveranda sagen, die man ihrer trutzigen Feste angepappt hat? Zum Glück ist der Turmstumpf des alten Bergfrieds unberührt geblieben. Er verleiht der Burg auch heute noch das romantische Gepräge, das sie zu einem der schönsten und eindrucksvollsten Burgenbilder am Rhein macht. Der Romantiker aber trauert der efeuumsponnenen Ruine nach und beklagt, daß die damaligen Stadtväter St. Goarshausens nicht das Verständnis und den Weitblick aufgebracht hatten, sie zu erwerben und mit einigen Instandsetzungen und Errichtung einer – sicher lohnenden Burgschenke – der Gemeinde dieses wunderbare Kleinod zu sichern, schon der prächtigen Waldspazierwege halber, die von nun an dem Volk verschlossen waren. Landrat Berg, der, was man ihm nachrühmen muß, sich auch um die Anlage einer großen Obstanlage auf der Höhe des Katzenberges – dem sogenannten Katzenfeld – sowie um die Wiederaufpflanzung der Weinberge bemüht hat – der “Katzenberger” hat als angenehmer, süffiger Tischwein heute einen guten Klang -, behielt die Katz bis 1925, in welchem Jahre sie in den Besitz des der bekannten rheinischen Reederfamilie entstammenden Herrn Ludwig Kannengießer überging, der nach einigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen einen Burgengasthof darin errichtete. Gewisse mißliebige Umstände aber verhinderten ihn, das Anwesen zu behalten. Und so trat das Ereignis ein, das alle Freunde rheinischer Geschichte mit tiefstem Bedauern erfüllte: die Katz kam unter den Hammer. Was kein ehrlicher Gegner vermocht hatte, das hatte der unehrlichste Feind, der “Mammon” fertiggebracht. Die altehrwürdige Burg war zur Ware geworden, die man an den Meistbietenden verschacherte. Die Begräbnisfeier oder nüchterner gesagt, die Zwangsversteigerung fand am 31.August 1928 im Amtsgerichtshaus zu St. Goarshausen unter dem Vorsitz eines Richters statt. Fürwahr, es war kein würdiges Schauspiel, diese Burgenversteigerung! Niemand fühlte sich bemüßigt, der Bedeutung des Tages und dem Schicksal der altehrwürdigen Feste auch nur ein einziges Wort zu widmen. Man fragte sich als Zuschauer: Steht wirklich eine alte Ritterburg zum Verkauf oder eine Wellblechbude, oder gar eine Tonne Heringe? Man sah nur das Hin- und Herzappeln der um ihre Hypotheken besorgten Bankbeflissenen, man hörte flüstern und tuscheln und Papiere knistern, man sah auch mit den Händen reden – kurz, Nüchternheit war Trumph! Droben aber, auf einsamer Höhe, saß die alte Burg und wartete auf ihr Schicksal. Dem Verfasser ds., der als alter Verehrer der Heimatburg sich es nicht hatte nehmen lassen, ihrem Schicksalstag beizuwohnen, war von der Prosa dieses Tages ein recht übler Geschmack auf der Zunge verblieben.

Über das Ergebnis der trockenen Veranstaltung sei kurz folgendes erwähnt. Die Stadt St. Goarshausen hatte sich in letzter Stunde entschlossen, durch Bürgermeister Herpell eine Kaufsumme von 100.000 Mark zu bieten, die aber lange nicht zur Befriedigung der 200 Konkursgläubiger – darunter die Reichsknappschaft Berlin mit einer Hypothek von 150.000 Mark und die Koblenzer Volksbank mit einer solchen von 63.500 Mark – hinreichten. Die Unkosten allein an rückständigen Zinsen, Steuern, Löhnen und Gerichtskosten beliefen sich auf rund 19.000 Mark. Das letzte Gebot betrug 150.000 Mark. Da auch dieses keinen Zuschlag fand, wurde die Versteigerung vertagt und ein neuer Termin auf den 29. Oktober 1928 festgesetzt.

Bei dieser zweiten Verhandlung wurden 189.900 Mark von Fabrikant Hoffacker aus Andernach und, nach nochmaliger Beratung, Albert Jungeblodt, geboten, dem als Letztbietendem dann auch am 5. November 1928 der Zuschlag erteilt wurde.

Wenn man berücksichtigt, daß es sich bei dem Versteigerungsgebiet nicht nur um die mit großem Kostenaufwand neuerbaute Burg mir gesamter Ausstattung, Stallungen usw., sondern auch um die dazu gehörigen Weinberge, Wald, Wiese, Äcker, Obstanlagen und eine Mühle handelte, also um einen Millionenwert historischer und wirtschaftlicher Art, so wird man zugeben, daß der Kaufpreis dazu in keinem Verhältnis stand.

Der neue Besitzer der Katz, Albert Jungeblodt, hatte die Absicht einen Teil der Burg selbst zu bewohnen und den anderen Teil zu einem vornehmen Hotel mit Gaststättenbetrieb einzurichten. Letzteres unterblieb. Eine zeitlang wurde die Burg an eine englische Gesellschaft verpachtet, bis sie endlich, nach dem politischen Umbruch von 1933, an die nationalsozialistische Partei überging, die dort ein Schulungslager des Reichsarbeitsdienstes unterhielt.

Das war das wechselvolle Leben der altehrwürdigen Katz, ein Burgenschicksal, wie es in gleicher bunten Bewegtheit und dramatischen Fülle kaum einer anderen Feste am Rhein beschieden war.

Ferner Ritterzeiten ewige Jugend
Glänzt noch heut aus der Ruinen Rot,
Mahnt die Männer noch an Heldentugend
Und den Jüngling an den Heldentod.

Quelle: Chronik von Jörg Ritzel

Mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs St. Goarshausen.

Die stolze Wehrburg Katz an der Loreley